Datum: Mittwoch, 03. Juni 2020

Wort zu den Drei Österlichen Tagen vom Leiden und Sterben,von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn

Liebe Schwestern und Brüder!

Angesichts der Corona-Pandemie mit ihren so schweren Auswirkungen auf unseren Alltag und unser aller Lebensgewohnheiten sowie deren Bedrohung, fragen sich viele Menschen, wie sie in diesem Jahr Ostern feiern können.

Eine Frage, die mit Recht uns umtreibt. Keine öffentlichen Gottesdienste, keine Verwandtenbesuche, keine Ausflüge und ...

Von daher lenke ich den Blick zunächst auf den Karfreitag, der stets dem Ostersonntag vorausgeht.

Das Sterben des Gottessohnes, der uns in allem gleich war außer der Sünde, zeigt uns Leid und Grausamkeit in schärfster Form.

Am Kreuz hat Jesus sieben Worte gesprochen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Die längste Zeit der drei Stunden am Kreuz hat Jesus geschwiegen. Er hat ausgehalten. Er war da. 

Das ist auch von uns gefordert in diesen Tagen: Ausharren und Durchhalten. Oftmals schweigend solidarisch sein. Es ist nicht die Zeit der langen Reden. Aus Anteilnahme und Sympathie (d.h. übersetzt Mitleiden) heraus zu schweigen.

An Karfreitag wird deutlich, dass Jesus Christus anwesend ist, heute, dort wo Menschen leiden, sich sorgen, ängstigen und mit dem Tode ringen. Gott ist mitten in aller Not gegenwärtig. Dafür steht das Kreuz mit dem gekreuzigten Sohn Gottes.

Jesus geht mit uns in alles Leiden hinein. Total, mit Haut und Haaren.

Jesus steigt ganz hinab in den Herrschaftsraum des Todes. Es herrscht Grabesruhe. Der Nullpunkt an Karsamstag.

Dies auszuhalten kostet uns in diesem Jahr besonders viel Kraft; fordert uns zutiefst existentiell heraus.

So wie Jesus uns in unserem Leid begleitet, mit uns hinabsteigt in die Zonen des Todes, genauso zieht er uns an Ostern ins Leben hinein!

Karfreitag heißt absteigen in den Tod.

Karsamstag ist das Ausharren im Dunkel der Ungewissheit.

Ostern bedeutet hineingezogen, ja hinein gerissen werden in das Leben.

Wir wissen nicht, welche Wege Gott uns führen wird. Das "Warum" bleibt unbeantwortet. Die Antwort hat einen Namen: Jesus Christus, der Gottessohn und Menschenbruder. Die Antwort ist ein dynamisches Ereignis: vom Tod zum Leben!

Der Blick auf den Karfreitag öffnet durch den Karsamstag hindurch die Perspektive auf den Ostersonntag; auf das eruptive Leben des Abgeschriebenen, des Totgesagten, des Totgeglaubten!

Jesus lebt, mit ihm auch ich!

Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Ralf-M. Willmes, Pfarrer

54320 Waldrach, 9. April 2020

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