Datum: Freitag, 23. Oktober 2020


Liebe Schwestern und Brüder!

Am 27. März hat Papst Franziskus in einer beeindruckenden Feierstunde auf dem Petersplatz in Rom angesichts der Corona-Pandemie die Welt und die gesamte Menschheit unter den Schutz Gottes gestellt. Als Schrifttext hatte der Papst den Abschnitt aus dem 4. Kapitel des Markusevangeliums gewählt, der vom Sturm auf dem See berichtet, der die Jünger im Boot zu Tode erschreckt.

Die Gefährlichkeit und Menschenfeindlichkeit des wütenden, grimmig-grausamen Meeres ist ein in der Antike immer wiederkehrendes Bild für die Bedrohung des menschlichen Lebens und daher auch in der Bibel und der Theologie gerne verwandt worden. Dabei kann das unberechenbare Meer immer auch zum Sinnbild des Lebens überhaupt werden.

Die früheren Theologen der Kirche der ersten acht Jahrhunderte (Kirchenväter) haben diese nautisch-maritime Symbolik bereitwillig aufgegriffen.

Der heilige Hippolyt von Rom (170-235) schreibt in seinem Werk „De Antichristo“: „Das Meer ist die Welt, in der die Kirche wie ein Schiff auf dem Meere vom Sturm umhergeworfen wird, aber nicht untergeht; denn sie hat bei sich den erfahrenen Steuermann Christus.“ Der Mast des Schiffes der Kirche ist das Kreuz, das zugleich ein Siegeszeichen gegen den Tod ist. So wie bei der Fahrt durch sturmgepeitschtes Meer die Sicherheit eines Schiffes am Mastbaum hängt, so bewirkt die siegreiche Kraft des Kreuzes die glückliche Fahrt der Kirche durch die Gefährdungen der Zeiten. Hippolyt bezeichnet den Schiffsvorderteil als Osten. Das ist der Ort des wiederkommenden auferstandenen Christus. Auf ihn bewegt sich die Kirche zu. In allen Unsicherheiten des Lebens bleibt damit das Ziel klar: Wir begegnen dem lebenden Christus. So wird die Begegnung mit Christus zu einer Ankunft im sicheren Hafen. Der Hafen ist in der Literatur der Antike das Bild für Ruhe und Sicherheit. In der christlichen Literatur ist es Gott, der dafür sorgt, dass der sichere Hafen erreicht wird.

Die Bedrohung durch die Corona-Pandemie ist nicht vorüber. Wir befinden uns auf dem unsicheren Meer dieser Zeit. Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Katalysator. Entwicklungen in unserer Gesellschaft als auch in der Kirche, die bereits erkennbar gewesen sind, werden nun verstärkt und deutlich sichtbarer. Das führt zu Veränderungen, sowie Abbrüchen; es lässt Unsicherheiten anwachsen und Verstörendes an die Oberfläche kommen. Da kann es einem angst und bange werden. Hier trifft uns die Frage Jesu an seine Jünger im Boot: „Warum habt ihr solche Angst?“ (MK 4,40). Hippolyt verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass unser Leben „verankert“ ist „in den Himmeln“.

Diese Zuversicht wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen; die Sicherheit, dass Jesus Christus der Steuermann Ihres Lebensschiffes ist; dass Sie, wie es der heilige Clemens von Alexandrien (150-215) formuliert: „Anker werfen beim Heiland!“

Da in der kommenden Woche ein neuer Pfarrbrief erscheinen wird und die Feier öffentlicher Gottesdienste wieder möglich ist, beende ich die Reihe meiner schriftlichen Sonntagsgrüße an Sie.

Ich tue dies mit einem Wort von Tertullian, einem christlichen Schriftsteller, der vor 1800 Jahren verstorben ist. Es ist der „Herr (Jesus, der) in seiner Nachsicht gleichsam schläft, bis er, … die Welt bändigt und den Seinen wieder Ruhe schenkt.“

Ihnen allen Gottes Segen!

Ihr

Ralf-M. Willmes, Pfr.

54320 Waldrach, 12. Juni 2020

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