Datum: Freitag, 23. Oktober 2020


Liebe Schwestern und Brüder!

Ein Geheimnis zu lüften, hinter Verborgenes schauen zu wollen, das ist eine menschliche Eigenschaft, die vieles an Erfolgen in Wissenschaft und Technik ermöglicht, die menschliches Suchen und Fragen antreibt. Doch gibt es Geheimnisse, die sich nicht von außen entschleiern lassen, die vielmehr sich selbst enthüllen müssen.

Das gilt vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Wir können einen Menschen noch so gut beobachten und in den Blick nehmen wie wir wollen; nie werden wir den betreffenden Menschen ganz kennen. Nur aus dem persönlichen Umgang, aus vielen Begegnungen gewonnenen Erfahrungen erschließt sich uns ein Mitmensch. Und doch bleibt jeder Mensch letztlich und im tiefsten ein Geheimnis, das sich nicht ganz enthüllen lässt.

Wenn wir dies auf unsere Beziehung zu Gott hin betrachten, können wir mit noch größerer Sicherheit sagen: Gott ist ein Geheimnis. Ganz gleich wie wir uns Gott nähern, unsere Begegnungen mit ihm gestalten; er bleibt ein Geheimnis und begegnet uns als solches. Was wir von Gott wissen, das hat er selbst uns erschlossen. Gott hat sich uns in der Schöpfungs-und Heilsgeschichte mitgeteilt. Als Christen erfahren wir diese Selbstmitteilung Gottes in unüberbietbarer Weise in der Person des Jesus von Nazareth, des Sohnes des lebendigen Gottes. Alles, was Gott für uns ist, ist uns mit Jesus gegeben.

Unser Gott trägt ein Angesicht. Wir glauben nicht an eine unpersönliche Sache. Jesus spricht vom Vater, der ihn gesandt hat und vom Geist, den er den Seinen zugesagt hat. Es existiert ein Ich und ein Du in Gott; es gibt das Gespräch der Liebe. Dieser eine Gott ist Schenken und Empfangen, Mitteilen und Hören zugleich. In diesen Dialog der Liebe hat Gott uns hineingezogen. Er ist uns in einem menschlichen Angesicht begegnet; er hat uns Jesus geschenkt und dieser hat uns Menschen Gott gebracht.

Das Wirken des Geistes bringt dieses Handeln Gottes und seines Sohnes in der Kirche und ihren Gemeinden zur Geltung. Die Worte und das Wirken Jesu lässt der Heilige Geist neu lebendig werden. Sie werden uns als Geschenk angeboten. Wer bereit ist, dieses Geistes Kind zu sein, der wird in Vertrauen und Zuversicht die Zukunft der Kirche und der Welt mitgestalten und sein Leben in Hoffnung und Liebe vollenden.

Wer bereit ist, dieses Geistes Kind zu sein, dem enthüllt sich Gott ein Stück weiter.

Ich wünsche Ihnen einen gesegnet-enthüllenden Dreifaltigkeitssonntag!

Ralf-M. Willmes, Pfr.

54320 Waldrach, 05. Juni 2020

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Zum Beten und Singen eignen sich im Gotteslob die Nummern 352-355, sowie 790-791.

 

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