Datum: Donnerstag, 06. August 2020


Liebe Schwestern und Brüder!

Der sechste Sonntag der Osterzeit wird auch Sonntag "Rogate" (Bittsonntag) genannt. Diesem Sonntag folgen die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt. 

Um das Jahr 470 ordnete der heilige Mamertus, Bischof von Vienne im heutigen südlichen Frankreich, Bittprozessionen an, um die Menschen, die durch Erdbeben und Feuersbrünste verunsichert waren, aufzurichten. Dieser Brauch breitete sich dann über Frankreich bis nach Deutschland aus. Nachdem im Frühjahr die Saat ausgebracht wurde, beteten unsere Vorfahren in der agrarisch strukturierten Gesellschaft an den Bitttagen um eine gute Ernte.

In diesem Jahr, das durch die Corona-Pandemie geprägt ist, erhalten die Bitttage eine Aktualität, die über die Bitte um ein gutes Gedeihen der Feldfrüchte hinausgeht.

Die Pandemie ist dabei unser Leben zu verändern. Sie ist bedrohlich, denn das Virus ist für unsere Augen unsichtbar. Wir erfahren Kontaktbeschränkungen und werden vorsichtiger im Umgang miteinander. Vertrautes wird uns fremd. Veranstaltungen und Feiern, im Grunde alle sozialen Kontakte und Beziehungen verändern sich oder fehlen vollständig. Vieles findet nicht mehr statt, so wie wir es gewohnt waren. Kinder und Schüler gehen nicht mehr täglich in die KiTa oder in die Schule. Viele Menschen erfahren Einsamkeit und konnten über viele Wochen ihre Angehörigen nicht treffen. Psychische Belastungen müssen bewältigt werden. Etliche Menschen arbeiten von zu Hause aus. Andere sorgen sich um ihren Arbeitsplatz oder haben ihn bereits verloren. Selbständige und Unternehmer bangen um ihre Existenz. Vieles ist fragwürdig und unsicher geworden. Eine Fülle von Gedanken bricht über uns ein.

All dies können wir an den Bitttagen vor Gott bringen. Wir können um Hilfe bitten; wir dürfen klagen und fragen, aber auch danken für erfahrene Hilfe und gewonnene Erkenntnisse.

Da zur Zeit keine Prozessionen stattfinden dürfen, will ich Sie ermuntern in die grünende Natur hinauszugehen. Außerhalb unserer Ortschaften finden sich Kapellen, Wegkreuze und Heiligenbilder, die das Ziel eines Spazierganges oder einer kleinen Wanderung sein können und zum Gebet einladen. Gehen Sie dorthin und tragen Sie alles, was Sie bewegt vor Gott.

An Christi Himmelfahrt wird deutlich, dass Christus unser Menschenbruder uns und unsere Anliegen zum Vater im Himmel emporzieht! Im Schlussgebet der Messe an Christi Himmelfahrt beten wir zu Gott:  "Lenke unser Sinnen und Verlangen zum Himmel, wo Christus als erster der Menschen bei dir ist."

So grüße ich Sie vereint im Bitten in diesen Tagen vor Christi Himmelfahrt, aber auch im Danken dafür, dass wir erhoben und aufgehoben sind zu und bei Gott!

Ihr
Ralf-M. Willmes, Pfr.

54320 Waldrach, 15. Mai 2020

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Als Gebet an den Bitttagen empfiehlt sich die Allerheiligen-Litanei (Gotteslob Nr. 556) und nach Trierer Brauch das Lied Nr. 834.

 

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