Datum: Donnerstag, 21. November 2019

auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Waldrach. Die Pfarreiengemeinschaft Waldrach ist der Zusammenschluss von zwölf Pfarreien im Ruwertal, dem Vorderen Hochwald und dem Pluwiger Ländchen.

Das Leben in den Gemeinden wird geprägt von vielerlei Aktivitäten und Gruppen. Dieses Gemeindeleben ist ohne die vielen ehrenamtlich Tätigen nicht denkbar.

 
Auch für Sie ist in dieser Pfarreiengemeinschaft sicher ein guter Platz!

Pfarrer Ralf-Matthias Willmes

 


Geistliches Wort (aus dem Pfarrbrief Nr. 9/2019)

Umkehr

Wer sich mit dem Auto verfährt oder bei einer Wanderung verläuft, der muss umkehren. Das ist mit Zeit und Anstrengung verbunden.

Schon aus diesen Gründen erfreuen sich der Begriff der Umkehr und ihr Vollzug nicht allzu großer Beliebtheit. Denn auch Worte haben ihr Schicksal. Die Menschliche Sprache ist beständig in Gefahr, sich abzunutzen, vertraute Begriffe verdecken die gemeinte Sache häufig mehr, als dass sie sie offenlegen. Bedeutungen schleichen sich ein, die den ursprünglichen Sinn verdunkeln, wenn nicht gar verfälschen. Dem Wort „Umkehr“ ist es ähnlich ergangen, es hat sich mit Vorstellungen verbunden, die das biblische Zeugnis verzerren oder ihm zumindest nicht voll entsprechen.

Im Alten Testament, als auch im Neuen Testament ist die Aufforderung zur Umkehr eine immer wiederkehrende Aufforderung durch die Propheten bis hin zu Jesus von Nazareth. Sowohl der Evangelist Markus, als auch Matthäus berichten vom Ruf Jesu zur Umkehr und benutzen das griechische Wort „metanoiete“ (vgl, Mk 1, 15; Mt 4,17). Im deutschen wird dieser Ruf mit „Kehr um“ übersetzt. Das ist natürlich nicht falsch. In der neuen Rezeption dieser Texte wird darauf verwiesen, dass „metanoiete“ sich aus dem Verb „noein“ (denken) und dem Präfix „meta“ (darüber hinaus) zusammensetzt. Zur der Zeit Jesu kann also „metanoiete“ als „höher und größer denken“ verstanden werden. Der Umkehrruf Jesu macht den Menschen Mut größer, von Gott, den Mitmenschen und auch von sich selbst zu denken.

Das ist weit mehr als Sinnesänderung oder Buße als Strafe für einzelnen Fehler oder Vergehen. Es ist die Einladung neue Wege zu beschreiten. Und dazu bedarf es vor allem der großen Kunst des Anfangens, der Bereitschaft, sich Ungewohntes sagen zu lassen, um in der Mitte der Existenz ein anderer zu werden. Man darf dies auch als den Versuch umschreiben, die Grenzen des Ichs, seine Vorstellungen, Wünsche, Traditionen und Maßstäbe so zu durchbrechen, dass ich mich unter den Anruf des Wortes stelle, dass mich, wird es verkündet, für den Anspruch Gottes öffnet.

Der Umkehrruf Jesu ist ein Ruf in die Weite. Es eröffnet neue und ungeahnte Möglichkeiten. Dieser Ruf ist die Zusage, dass Gott den Menschen und zwar jedem einzelnen nahe ist. Die Nähe Gottes ermöglicht also das menschliche Sichnahen, die Distanz ist aufgehoben, und zwar nicht kraft unserer guten Werke, sondern aus einem erbarmen, das ihnen vorausliegt.

Der Umkehrruf Jesu lässt uns weit und größer denken über Gott, der uns entgegenkommt. Das lässt uns den Mitmenschen annehmen und hilft uns zur Annahme unserer selbst. Die Umkehr aus einer verfahrenen Situation schafft also neue Perspektiven und wird somit zu einer Entdeckungsreise auf einem Lebensweg, der in die Fülle des Lebens (vgl. Joh 10,10) führt.

Dies dürfte, bei aller Anstrengung, lohnenswert sein!

Ihr Pastor Ralf-Matthias Willmes

 

 

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